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Geschichte

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Bau der Gemmibahn

1957

Schon die Römer sollen den Gemmipass vom Berner Mittelland ins Walliser Tal begangen haben. Später folgten ihnen Soldaten, Pilger und Handelsreisende. Auch viele bekannte Persönlichkeiten wie Mark Twain, Lenin und Pablo Picasso haben die herrliche Gegend kennengelernt.

Wo sich früher zahlungkräftige Reisende in Sänften und später im bekannten "Gemmi-Wägeli" über die Kantonsgrenze befördern liessen, stehen heute Luftseilbahnen und gepflegte Wanderwege zur Verfügung. Für das leibliche Wohl sorgen gemütliche Berggasthäuser. Eines ist während Jahrhunderten unverändert geblieben: die eindrückliche Landschaft, die immer wieder fasziniert und zum wiederholten Besuch anregt, denn die Gemmi-Region hat Tradition.

Die klassische Gemmi-Wanderung führt mit der Gemmibahn von Leukerbad (1460 m) hinauf auf den Gemmi-Pass (2'350 m) zum Berghotel Wildstrubel, das eine prächtige Vogelschau auf Leukerbad und ein herrliches Panorama auf die Walliser Alpen mit dem Matterhorn bietet. Hier ist auch Ausgangs- und Schlusspunkt des steilsten und längsten Klettersteiges der Schweiz auf das Daubenhorn (2'941 m). Das Berghotel Wildstrubel ist der Ausgangspunkt für zahlreiche Routen im Gemmi-Gebiet.

Wo sich Twain über Sänften belustigte
Unterwegs zwischen Kandersteg und Wallis: Der Gemmipass als begehrtes Wandergebiet einst und heute. Dort erwartet einen ein atemberaubendes Panorama auf einem kaum begangenen Weg. So wird der Ausflug zum Erlebnis.

Die Alpen galten bis ins späte Mittelalter als unzugänglich und boten Stoff für Sagen. Das änderte sich im 17., stärker noch im 18. Jahrhundert. Engländer entdeckten den vor rund 40 Millionen Jahren durch die Nord-Verschiebung der afrikanischen Platte entstandenen Alpenraum.

Nach den Engländern gehörten Franzosen, Italiener, später Schweizer zu jenen, welche die wilden, sagenumwobenen Regionen betraten, Berggipfel bestiegen und sich führen liessen. Nicht alle waren körperlich zu Höchstleistungen in der Lage. Hilfe war gefragt. Dies führte zu einer Zunahme des Verkehrs zu Fuss, Pferd, in Sänften, auf Wägelchen oder dergleichen mehr.

Die Region Kandersteg war besonders beliebt – es gab zahlreiche internationale Prominenz, die hier die Bergwelt entdeckte.

Aufbruch mit Twain und Lenin

Der bescheiden ausgebaute Weg zum Gemmipass war ein beliebtes Ziel für Hochrangige aller Art. Im Berggasthof, heute Hotel Schwarenbach, 1742 erbaut, kehrten unter vielen anderen Horace Bénédict de Saussure (1777 im Gästebuch eingetragen), Adalbert von Chamisso (1812), Alexandre Dumas (1832), Edward Whymper (1860, Matterhorn-Erstbesteiger), Jules Verne (1873), Guy de Maupassant (1877), Sir Arthur Conan Doyle (1893) und Pablo Picasso (1933) ein. Zwei der Sommerfrischler hiessen Mark Twain (war 1878 dort) und Wladimir Iljitsch Uljanow (1904), besser bekannt unter dem Namen Lenin.

Der US-Bürger Mark Twain («Tom Sawyer und Huckleberry Finn») beschrieb eine Reise durch die Schweiz in süffisantem Stil. Er startete am 21. August 1878 von Luzern über den Brünigpass nach Meiringen und Interlaken. Dort bestieg er samt Gefolge eine Kutsche und gelangte nach Kandersteg. Von dort liess er sich zum Gemmipass führen. In Frutigen nahm er das opulente Mittagsmahl ein und hatte Ärger mit einem betrunkenen Kutscher. Der brachte ihn ins Kandersteger Hotel Bären, das erste vor Ort. Bei einem Abstecher ins Gasterntal genoss er die Abendstimmung und belustigte sich über die Sänften, auf denen edle Jüngere und Bejahrte sich zu Berge tragen liessen.

Der Reiseleiter beschäftigte ihn ebenfalls im mausarmen Fremdenort: Er sollte für ihn ein Bild erstehen. Als Twain die Kosten zu hoch erschienen, besuchte er selbst den Händler und erfuhr, dass der Preis deutlich tiefer war. Dieser beschied ihm, dass er den tieferen Preis bezahlen, aber dem Reiseleiter nichts sagen solle. Auf die Frage nach dem Warum hörte er, dass der Reiseleiter sonst nicht mehr bei ihm vorbeigehen würde. Am 24. August übernachtete Twain im «Schwarenbach».

Das Gemmi-Wägelchen

Ab 1896 wurde das vom «Bären»-Hotelier Rudolf Egger erfundene Gemmi-Wägelchen benützt. Der Kutscher musste die Fahrten zu Fuss begleiten und erhielt für seinen Dienst pro Ein-Pferd-Wagen und Person 20 Franken für die einfache Fahrt. Um 13'000 Leute liessen sich so jährlich befördern.

Lenin schliesslich hielt sich nach Ablauf seiner Verbannung in Sibirien – wo er Nadeschda Krupskaja heiratete – seit 1900 in der Schweiz auf. 1904, als er das «Schwarenbach» aufsuchte, schrieb er sein Buch «Ein Schritt vorwärts, zwei Schritte zurück». Bis zur Revolution wohnte er samt Hofstaat an verschiedenen Orten (Genf, Bern, Krakau und Zürich). Am 27. März 1917 bestieg er schliesslich in Zürich den plombierten Zugswagen und erreichte mit deutscher Unterstützung Tage später Petrograd, wie Leningrad (heute St. Petersburg) damals hiess.

Tomba . . . der Kater

Ein neuzeitlicher Bewohner des «Schwarenbachs» war Kater Tomba (in Anlehnung an den waghalsigen italienischen Skirennfahrer Alberto Tomba «la bomba»). Der Kater erblickte das Licht der Welt 1988 und zeichnete sich dadurch aus, dass er mit Gästen Gross Rinderhorn (3453 m), Altels (3629 m) und Balmhorn (3699 m) bestieg. Gäbe es Viertausender in der Nähe, hätte er wohl auch dies geschafft.

Ähnlich gewagte Touren organisierte der aus ärmlichen Verhältnissen stammende Brite Thomas Cook aus Melbourne bei Leicester, der ab 1863 erste Gäste in die Region führte. Er verbuchte damit auf Anhieb Erfolg bei blaublütigen Abenteurern und bildungsbeflissenen Bourgeois, aber auch bei Jules Verne.

Nicht zuletzt dank Cook gelang Engländern, die die kaum berührte Natur Jahr für Jahr aufsuchten, eine Reihe Erstbesteigungen in den Schweizer Alpen. In neuster Zeit lässt sich Uno-Generalsekretär Kofi Annan öfter mal in Kandersteg blicken. Er ist mit dem Schweizer alt Bundesrat Adolf Ogi befreundet und hat durch den alteingesessenen Kandersteger die Berge entdeckt.

Die Bergwelt entdecken

Natürlich hat sich alles weiterentwickelt. So gehören geführte Touren zum Courant normal, und zwar nicht mehr auf Wägelchen oder in Sänften, sondern auf Schusters Rappen. Kleine Gruppen am Seil, geführt durch einen erfahrenen Bergführer und in guter physischer Verfassung, lassen die ruhige Region erleben. Eine der Routen führt vom Eggishorn auf kaum begangenen Wegen, teils über die traumhafte Gletscherwelt mit Hoch- und Absteigen in die Region Gemmipass und zum Schluss auf den Wildstrubel. Lustige Reminiszenzen sind so sicher wie Mattigkeit am Abend in einer wohligen Alpenclub-Hütte.

Gestartet wird im Unesco-Weltnaturerbe Aletsch/Bietschhorn mit dem grössten Gletscher der Alpen mit einer Mächtigkeit von maximal 600 Metern (beim Konkordiaplatz) und einer Länge von 22 Kilometern. Aussicht auf die formschönen Walliser Riesen ist bei Sonnenschein garantiert, bevor am vorletzten Tag das imposante Halbrund des Wildstrubels erstiegen wird. Von da ists nicht mehr weit zum «Schwarenbach», nach Kandersteg und zu den Dreitausendern, die Twain und Lenin bewundert, aber nicht bestiegen haben.


 

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